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Karoxbosteler Mühlenretter: Aus einem „Trümmerhaufen“ einen lebendigen Ort der Begegnung gemacht

Lehrerin Yasmin Jonitz, die ab Januar an den außerschulischen Lernstandort in einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) Wassermühle Karoxbostel abgeordnet ist.  Die 28-Jährige arbeitet als Lehrerin an der Oberschule Jesteburg. Die gebürtige Hittfelderin unterrichtet Mathematik und Chemie. Die verheiratete Mutter von eineinhalb Jahre alten Zwillingen freut sich auf die neue Aufgabe an der Wassermühle. | Foto: ein

Karoxbostel. Und wieder ist ein Jahr (fast) zu Ende. Aus Sicht der Karoxbosteler Mühlenretter war es ganz sicher ein erfolgreiches und spannendes Jahr mit vielen Höhepunkten: Am 1. Februar haben die Mühlenretter den Landespreis für Denkmalpflege der Niedersächsischen Sparkassenstiftung für die „vorbildliche Restaurierung des Gebäude-Ensembles“ erhalten. Dieser Preis ist der höchstdotierte Denkmalpreis in Deutschland und er wurde zum ersten mal in den Landkreis Harburg vergeben.

Im März wurden die Mühlenretter aus Karoxbostel mit dem Kultursommerpreis des Landkreises Harburg für das Projekt „Fliegende Glücksmomente“ ausgezeichnet. Am 26. August hat das Mühlenteam um Emily und Carsten Weede wir mit „großem Bahnhof“ die offizielle
Einweihung und den 200. Geburtstag des Haupthauses gefeiert. Bei der Vereinsgründung 2012 hatten sich alle vorgenommen, 2017 mit der Restaurierung des Haupthauses und der Mühle fertig zu sein.

Emily Weede: "Nun haben wir in dieser Zeit nicht nur das Haupthaus und die Mühle restauriert, sondern auch die Sägerei wieder aufgebaut, das Backhaus saniert, die gesamte Hofpflasterung restauriert und mit dem Umbau des Schweinehauses zu einem Gruppenraum und einer Werkstatt
das gesamte Hof-Ensemble saniert. Diese Leistung war nur durch den großen Einsatz der ehrenamtlichen Mühlenretter, der Handwerker und der großzügigen Förderer möglich. Trotzdem scheint es fast unglaublich, dass für die Sanierung und Wiederherstellung des gesamten Hof- Ensembles „nur“ 488 000 Euro notwendig waren".

Am 7. September überreichte die Niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt den Mühlenrettern eine Ernennungsurkunde als landesweit 60. Standort in einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Im Landkreis Harburg ist die Karoxbosteler Mühle außer dem  Freilichtmuseum am Kiekeberg in Ehestorf der einzige weitere Standort. Das bedeutet auch, dass mit Beginn des neuen Jahres die Hittfelderin
Yasmin Jonitz als Lehrerin an der Mühle arbeiten wird (Foto).

Emily Weede: "Mit dieser Zertifizierung haben wir den Schritt vom reinen Denkmalprojekt zu einem Lernort für alle Generationen vollzogen.
Darüber hinaus haben wir in diesem Jahr außer unseren großen Veranstaltungen (Deutscher Mühlentag, Tage der Industriekultur am Wasser, Tag des offenen Denkmals und der Adventsmarkt) eine ganze Reihe von gut besuchten kulturellen Veranstaltungen über die Bühne gebracht. So war im
September sogar das Niedersächsische Literaturfest an unserer Schönen zu Gast. Ach ja, ein neues Reetdach auf der Südseite des Wohn- und Wirtschaftsgebäudes haben wir auch – und das ehemalige Schweinehaus ist ein wahres Schmuckstück geworden; ausgestattet mit allem,
was das Handwerkerherz höher schlagen lässt."

Die Mühlenchefin weiter: "Viele andere Baustellen haben wir „beackert“ – und was dabei herausgekommen ist, kann sich wahrlich sehen lassen. Für uns ist 2017 wie im Flug vergangen. Unser Verein hat viel erreicht. Dankbar (und manchmal sogar ein wenig verwundert) blicken wir auf ein gutes Mühlen-Jahr zurück, in dem wir unglaublich viel geschafft haben. Wir erfahren viel Zuspruch und Wertschätzung für unser Engagement."

Ein ganz besonderes Ereignis, das in der Presse auch entsprechend gewürdigt wurde, war die Verleihung des Bürgerpreises des Landkreises Harburg an den Karoxbosteler Müllermeister Franz Rosenkranz in den Räumen der Sparkasse Harburg-Buxtehude in Winsen. Auch im neuen Film „Kulturdenkmale zwischen Marsch und Geest“ von Jürgen A. Schulz wird das Projekt aus berufenem Munde gelobt. Der Einsatz lohnt sich. Jede und jeder kann das sehen. Und wir? Wir denken, dass wir es nicht nur sehen, sondern vor allem spüren können: Die besondere Atmosphäre an der Schönen, der „gute Geist“, der dort herrscht.

Emily Weede: "Das Gefühl von Gemeinschaft und Solidarität macht uns stark. Wir sind ein lebendiger Verein. Mit unserem Projekt beweisen wir, was man mit „vereinten“ Kräften schaffen kann. Gemeinsam haben wir nicht nur ein marodes Denkmal-Ensemble vor dem Verfall bewahrt, sondern aus diesem „Trümmerhaufen“ einen lebendigen Ort der Begegnung gemacht. Auf diesem Weg wollen wir weitergehen. 2018 wird also mit Sicherheit spannend und interessant."

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